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Fachkräftemangel im Handwerk: Ursachen und was Betriebe selbst tun können

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Der Fachkräftemangel im Handwerk wird oft als äußeres Schicksal beschrieben, dem Betriebe hilflos ausgeliefert sind. Ein Teil davon ist tatsächlich strukturell bedingt, ein anderer Teil liegt aber im Handlungsspielraum jedes einzelnen Betriebs, auch wenn das im stressigen Alltag leicht vergessen wird.

Fachkräftemangel im Handwerk: Die Demografie einfach erklärt

Der Kern des Problems lässt sich einfach zusammenfassen: In den kommenden Jahren gehen deutlich mehr erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand, als junge Menschen nachrücken. Das liegt an den geburtenstarken und geburtenschwachen Jahrgängen, die aufeinanderfolgen, und betrifft praktisch jede Branche im Handwerk gleichermaßen. Diese Entwicklung lässt sich von einem einzelnen Betrieb nicht aufhalten, wohl aber die eigene Position innerhalb dieser Entwicklung.

Warum Warten keine Strategie ist

Viele Betriebe reagieren erst, wenn eine Fachkraft tatsächlich in den Ruhestand geht oder kündigt, und suchen dann kurzfristig Ersatz. In einem Markt, in dem Fachkräfte knapp sind, ist das der schwierigste Zeitpunkt für eine Suche. Wer dagegen frühzeitig und kontinuierlich Nachwuchs aufbaut, muss nicht auf den akuten Engpass reagieren, sondern hat längst vorgesorgt.

Der Handlungsspielraum des einzelnen Betriebs

Auch wenn die demografische Entwicklung insgesamt feststeht, entscheidet sich auf Betriebsebene, wer im Wettbewerb um die vorhandenen Jugendlichen erfolgreich ist. Sichtbarkeit bei Schulen, ein attraktives Ausbildungsangebot und ein gutes Betriebsklima wirken direkt darauf ein, ob sich ein Jugendlicher für genau diesen Betrieb entscheidet. Wer hier aktiv wird, konkurriert nicht gegen die Demografie, sondern gegen andere Betriebe, und das lässt sich beeinflussen.

Drei Maßnahmen für die nächsten zwölf Monate

Wer den Handlungsspielraum nutzen will, braucht keine Strategie-Klausur, sondern einen einfachen Jahresplan. Drei Maßnahmen, die aufeinander aufbauen:

  1. Quartal 1: Sichtbarkeit herstellen. Google-Profil und Website auf den Stand bringen, die Ausbildung prominent erwähnen, Schulen im Umkreis anschreiben und ein konkretes Angebot machen, etwa Praktikumsplätze oder einen Betriebsbesuch.
  2. Quartal 2 und 3: Kontaktpunkte schaffen. Mindestens ein Format umsetzen, bei dem Jugendliche den Betrieb erleben können: Praktika aktiv anbieten, an einem Projekttag oder Berufeparcours teilnehmen, den Tag der Berufsfelderkundung ernsthaft gestalten.
  3. Quartal 4: Bilanz ziehen und verstetigen. Welche Kontakte sind entstanden, welche Kanäle haben funktioniert? Was funktioniert hat, wird zum festen Jahresprogramm, was nicht, wird ersetzt statt halbherzig weitergeführt.

Dieser Plan kostet über das Jahr verteilt wenige Arbeitstage und baut genau das auf, was beim akuten Engpass fehlt: einen Vorrat an Beziehungen zu Jugendlichen, Eltern und Schulen, aus dem sich Bewerbungen ergeben.

Der Denkfehler hinter dem Warten

Hinter der abwartenden Haltung steckt oft die Hoffnung, die Lage werde sich von selbst normalisieren, weil sie es früher auch immer tat. Die demografische Entwicklung unterscheidet sich aber von einer Konjunkturdelle: Sie ist über Jahre im Voraus absehbar und dreht nicht von allein. Betriebe, die das akzeptieren, hören auf, auf bessere Zeiten zu warten, und beginnen, sich in den vorhandenen Zeiten besser aufzustellen als der Wettbewerb. Genau darin liegt die realistische Chance des Einzelbetriebs.

Nachwuchs sichern als Chefsache mit System

Nachwuchsgewinnung darf nicht nebenbei laufen, sondern gehört als feste Aufgabe in die Betriebsführung, mit klarer Zuständigkeit und wiederkehrenden Aktivitäten übers Jahr verteilt. Formate wie der Berufeparcours helfen dabei, diese Systematik aufzubauen, ohne dass ein einzelner Betrieb alles allein organisieren muss. Über die Pakete für Betriebe lässt sich Nachwuchsgewinnung als planbarer, wiederkehrender Prozess statt als Feuerwehreinsatz etablieren.

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