Der Girls‘ Day ist für viele Betriebe eine nette Randnotiz im Jahreskalender, wird aber selten als das genutzt, was er eigentlich sein könnte: ein direkter Zugang zu einem Talentpool, der bei der klassischen Ausbildungssuche oft komplett übersehen wird.
Was Girls‘ Day und Boys‘ Day für Betriebe bedeuten
An diesen bundesweiten Aktionstagen öffnen Betriebe ihre Türen speziell für Mädchen in technischen und handwerklichen Berufen sowie für Jungen in sozialen und pflegerischen Berufen, um klassische Rollenbilder bei der Berufswahl aufzubrechen. Die Teilnahme ist für Betriebe meist unkompliziert: anmelden, einen Programmpunkt für den Tag planen, Jugendliche empfangen. Der organisatorische Aufwand ist überschaubar, verglichen mit dem potenziellen Nutzen.
Der ungenutzte Talentpool jenseits der Rollenbilder
Viele Betriebe bewerben ihre Ausbildungsplätze unbewusst nur für eine Zielgruppe, etwa wenn eine Werkstatt in der Wahrnehmung „typisch männlich“ wirkt oder ein Pflegeberuf „typisch weiblich“. Dabei bleibt dadurch die Hälfte der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber praktisch unerreicht. Wer aktiv zeigt, dass jeder Beruf für alle offensteht, erschließt sich einen Pool an Talenten, um den sich kaum ein Wettbewerber bemüht.
Praxisbeispiele, die überzeugen
Ein Mädchen, das beim Girls‘ Day zum ersten Mal eine Elektroinstallation selbst verkabelt und danach Feuer und Flamme für den Beruf ist. Ein Junge, der beim Boys‘ Day in der Pflege merkt, wie viel Verantwortung und Anerkennung dieser Beruf mit sich bringt. Solche Erfahrungen entstehen nicht durch Broschüren, sondern durch echtes Ausprobieren, und genau das prägt die spätere Berufswahl oft stärker als jedes Gespräch.
So planen Sie Ihren ersten Aktionstag
Die Teilnahme ist unkomplizierter, als viele Betriebe erwarten. Der Weg zum ersten eigenen Aktionstag in vier Schritten:
- Anmelden: Über die offiziellen Aktionsseiten lässt sich das eigene Angebot eintragen, mit Datum, Plätzen und kurzer Beschreibung. Schulen und Familien suchen dort gezielt nach Angeboten in ihrer Nähe.
- Programm planen: Ein halber Tag genügt. Kern ist eine Mitmach-Aufgabe, die typisch für den Beruf ist: eine einfache Schaltung stecken, einen Verband anlegen, ein kleines Werkstück bearbeiten. Zuschauen allein rechtfertigt den Tag nicht.
- Die richtigen Begleiter auswählen: Ideal sind Mitarbeitende, die selbst gegen das Klischee stehen, die Elektronikerin, der Pfleger. Wo es sie noch nicht gibt, zählt Offenheit mehr als Symbolik.
- Den Anschluss vorbereiten: Am Ende des Tages steht die konkrete Einladung: „Wenn dir das gefallen hat, komm für ein Praktikum wieder.“ Ohne diesen Satz bleibt der Tag eine nette Episode.
Ein häufiger Fehler: der Sonderprogramm-Effekt
Gut gemeint, aber kontraproduktiv ist ein Programm, das die Gäste wie eine Besuchergruppe behandelt und ihnen eine geschönte Version des Berufs zeigt. Jugendliche merken den Unterschied zwischen Show und Alltag, und wer sich nach dem Aktionstag für ein Praktikum entscheidet, ist enttäuscht, wenn die Realität anders aussieht. Zeigen Sie den echten Beruf mit seinen interessanten und seinen anstrengenden Seiten. Wer trotzdem oder gerade deshalb wiederkommt, bringt genau die realistische Motivation mit, die Ausbildungsverhältnisse stabil macht.
Vom Aktionstag zum Praktikum
Ein einzelner Aktionstag reicht selten aus, um eine Ausbildungsentscheidung zu treffen. Wichtig ist deshalb, den Kontakt danach nicht abreißen zu lassen, sondern aktiv ein anschließendes Praktikum oder einen Praxistag im Betrieb anzubieten. So wird aus einem einmaligen Erlebnis eine echte Chance auf eine spätere Bewerbung, die ohne diesen ersten Impuls nie zustande gekommen wäre.
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