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Berufsfelderkundung: Pflichttermin oder Recruiting-Chance für Betriebe?

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Eine Berufsfelderkundung gilt in vielen Betrieben als lästige Pflichtübung, die man den Schulen zuliebe irgendwie über sich ergehen lässt. Dabei steckt in diesem einen Tag mehr Recruiting-Potenzial, als die meisten Betriebe nutzen, wenn sie ihn nur als notwendiges Übel behandeln.

Was Berufsfelderkundung ist und wie Schulen sie organisieren

An vielen Schulen ist ein Tag der Berufsfelderkundung fest im Lehrplan verankert, meist in der achten oder neunten Klasse. Jugendliche suchen sich dafür einen Betrieb, in dem sie einen Tag lang einen Beruf kennenlernen. Die Organisation liegt größtenteils bei den Jugendlichen und ihren Eltern, die Schule vermittelt selten aktiv Kontakte, sondern stellt meist nur den organisatorischen Rahmen.

Warum viele Betriebe diese Chance verschenken

Weil der Termin von der Schule kommt und nicht selbst initiiert wurde, behandeln ihn viele Betriebe stiefmütterlich: Der Jugendliche wird kurz herumgeführt, darf zuschauen, und das war es. Genau diese Beiläufigkeit ist der Fehler, denn ein Jugendlicher, der sich aktiv für genau diesen Betrieb entschieden hat, bringt echtes Interesse mit, das mit ein bisschen Aufmerksamkeit zu einer konkreten Ausbildungschance werden kann.

Vom Pflichttermin zum Talent-Scouting

Wer den Tag der Berufsfelderkundung ernst nimmt, kann ihn wie ein Mini-Praktikum behandeln: eine kleine, echte Aufgabe stellen, eine feste Ansprechperson zuteilen und am Ende kurz nachfragen, ob Interesse an einem längeren Praktikum besteht. So wird aus einem einzelnen Pflichttag der erste Schritt in Richtung Ausbildungsplatz, statt eine folgenlose Formalität zu bleiben.

So gestalten Sie den Erkundungstag konkret

Ein gelungener Tag der Berufsfelderkundung braucht keinen großen Apparat, aber einen Plan. Ein bewährter Ablauf für einen Vormittag:

  1. Begrüßung mit Namen (15 Minuten): Der Jugendliche wird erwartet, jemand nimmt ihn in Empfang, das Team weiß Bescheid.
  2. Kurzer Rundgang (30 Minuten): Nicht jede Maschine erklären, sondern die Frage beantworten: Was machen wir hier eigentlich, und für wen?
  3. Mitmach-Aufgabe (2 Stunden): Eine echte, einfache Tätigkeit unter Anleitung, kein Beschäftigungsprogramm. Hier entsteht der Eindruck, der bleibt.
  4. Gespräch zum Abschluss (15 Minuten): Wie hat es gefallen, was hat überrascht, und ganz konkret: „Hättest du Lust, eine ganze Woche zu kommen?“

Häufige Fehler aus Betriebssicht

Der größte Fehler ist die Delegation nach unten ohne Auftrag: Der Jugendliche wird irgendeinem Mitarbeiter zugeteilt, der davon erst am selben Morgen erfährt und ihn mangels Plan zuschauen lässt. Der zweite Fehler ist das fehlende Nachfassen, denn ohne Einladung zum nächsten Schritt bleibt selbst ein guter Tag folgenlos. Und der dritte ist die falsche Erwartungshaltung: Wer von einem Achtklässler am Erkundungstag Berufsentschlossenheit erwartet, wird enttäuscht sein. Ziel des Tages ist nicht die Entscheidung, sondern ein positiver erster Eindruck, der den Betrieb ins Relevant-Set des Jugendlichen bringt, wenn ein, zwei Jahre später die echte Berufswahl ansteht.

Ein organisatorischer Tipp am Rande: Halten Sie nach jedem Erkundungstag kurz fest, wer da war und wie der Eindruck war, inklusive Kontaktdaten der Eltern, soweit vorhanden. Diese kleine Liste wird über die Jahre zu einem wertvollen Pool an Erstkontakten, auf den Sie zurückgreifen können, wenn Praktikums- oder Ausbildungsplätze zu besetzen sind.

Verbindung zu Projekttagen und Berufeparcours

Betriebe, die ohnehin an organisierten Formaten wie dem Berufeparcours teilnehmen, profitieren doppelt: Der Erstkontakt aus der Berufsfelderkundung lässt sich direkt mit einem strukturierten Projekttag verbinden, bei dem Jugendliche den Betrieb noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben. Über die Pakete für Betriebe lassen sich solche einzelnen Kontaktpunkte zu einer durchgehenden Kette bis zur Ausbildung verknüpfen.

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