Zwischen dem ersten Kontakt am Berufeparcours und einem mehrwöchigen Schülerpraktikum liegt eine Lücke, die viele Betriebe unterschätzen. Werkstatttage im Betrieb schließen genau diese Lücke, weil sie mehr Tiefe bieten als eine Parcours-Station, aber deutlich weniger Aufwand erfordern als ein komplettes Praktikum. Wer diese Zwischenstufe auslässt, verschenkt oft die Jugendlichen, die nach dem Parcours zwar interessiert, aber noch nicht bereit für ein mehrwöchiges Praktikum sind.
Werkstatttage Betrieb: Der Unterschied zum klassischen Schülerpraktikum
Ein Schülerpraktikum dauert meist ein bis zwei Wochen und verlangt von Betrieb und Jugendlichem eine längerfristige Verbindlichkeit, bevor überhaupt klar ist, ob der Beruf infrage kommt. Ein Werkstatttag oder Praxistag dagegen konzentriert sich auf einen einzelnen Tag, an dem Jugendliche eine reale Aufgabe im Betrieb übernehmen, angeleitet von Fachkräften oder Auszubildenden. Der Aufwand für den Betrieb bleibt überschaubar, meist reicht die Betreuung durch eine einzige erfahrene Fachkraft oder einen Auszubildenden aus, das Erlebnis für die Jugendlichen ist trotzdem konkret genug, um eine echte Entscheidungsgrundlage zu liefern. Werkstatttage sind damit die logische Zwischenstufe zwischen einer Informationsveranstaltung und einem verbindlichen Praktikum. Für Jugendliche, die sich unsicher sind, senkt diese Zwischenstufe die Hemmschwelle erheblich, weil ein einzelner Tag deutlich weniger Verpflichtung bedeutet als eine mehrwöchige Zusage, die im Nachhinein schwer zu widerrufen ist.
Die BOeasy-Bilanz: Was Werkstatttage tatsächlich bewirken
Zahlen sagen hier mehr als Absichtserklärungen. Über das BOeasy-Netzwerk wurden bislang 87 Werkstatttage in teilnehmenden Betrieben durchgeführt, aus denen 37 Jugendliche in weiterführende betriebliche Werkstatttage vermittelt wurden. Das zeigt, dass ein einzelner Tag im Betrieb tatsächlich zu weiteren Schritten führt, wenn er gut gestaltet ist, und nicht als einmaliges Ereignis ohne Anschluss endet. Für Betriebe bedeutet das: Die Investition eines Tages zahlt sich in einer messbaren Zahl an Jugendlichen aus, die den Kontakt zum Betrieb fortsetzen. Diese Bilanz zeigt außerdem, dass Werkstatttage kein Selbstzweck sind, sondern in der Praxis tatsächlich zu weiteren Terminen und, im besten Fall, zu Ausbildungsverträgen führen.
Wie ein gelungener Werkstatttag aussieht
Am Anfang steht eine kurze Begrüßung und eine Einordnung, was am Tag passieren wird, damit Jugendliche nicht orientierungslos in eine fremde Umgebung geraten. Danach folgt eine reale, aber überschaubare Aufgabe, an der die Jugendlichen selbst arbeiten, begleitet, aber nicht permanent beaufsichtigt, sodass echte kleine Erfolgserlebnisse entstehen können. Wichtig ist ein Abschlussgespräch am Ende des Tages, in dem sowohl der Betrieb als auch die oder der Jugendliche offen sagen können, wie der Tag war und ob ein weiterer Schritt infrage kommt. Betriebe, die diesen Abschluss auslassen, verschenken die eigentliche Wirkung des Tages, weil Feedback und Verbindlichkeit fehlen. Nehmen Sie sich für dieses Gespräch mindestens fünfzehn Minuten Zeit, auch wenn der Betriebsalltag drängt, denn genau hier entscheidet sich, ob der Tag einen Nutzen über sich selbst hinaus hat.
Den Übergang zum Praktikum verbindlich machen
Ein Werkstatttag, der ohne konkreten nächsten Schritt endet, verpufft. Vereinbaren Sie am Ende des Tages, falls die Chemie stimmt, direkt einen Termin für ein längeres Praktikum oder zumindest einen Zeitpunkt, an dem sich beide Seiten wieder melden. Diese kleine organisatorische Konsequenz entscheidet häufig darüber, ob aus einem guten Erlebnis auch eine Ausbildung wird. Ohne einen konkreten nächsten Termin verläuft selbst der beste Werkstatttag im Sand, weil Jugendliche und Betrieb sich ohne festen Anlass einfach nicht mehr melden. Mehr zum Format und zur Anmeldung als teilnehmender Betrieb finden Sie unter boeasy.de/startseite/projekttage.
Wie Betriebe den ersten Kontakt vor dem Werkstatttag gestalten, lesen Sie im Beitrag zum Berufeparcours.
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