Wenn Betriebe über Nachwuchsgewinnung sprechen, denken sie meist an Jugendliche als Zielgruppe. Übersehen wird dabei fast immer, wer bei der Eltern Berufswahl-Entscheidung tatsächlich mit am Tisch sitzt: Mutter und Vater reden praktisch immer mit, oft mehr, als Jugendliche selbst zugeben. Wer Eltern ignoriert, verliert Kandidatinnen und Kandidaten, die inhaltlich längst überzeugt gewesen wären.
Warum die Eltern-Berufswahl über Bewerbungen mitentscheidet
Ein Ausbildungsplatz ist für eine 16-Jährige oder einen 16-Jährigen die erste große eigenständige Entscheidung, und Eltern begleiten sie in aller Regel intensiv: bei der Vorauswahl der Berufe, beim Gespräch über den Betrieb, oft auch bei der Frage, ob eine Zusage überhaupt angenommen wird. Ein Betrieb, der bei den Eltern keinen guten Eindruck hinterlässt, verliert die Bewerbung häufig, ohne es zu merken.
Was Eltern wirklich hören wollen
Eltern fragen selten nach Trend-Themen oder coolen Social-Media-Auftritten. Sie wollen vier Dinge wissen:
- Sicherheit: Ist der Betrieb stabil, gibt es einen verlässlichen Ausbildungsplan?
- Perspektive: Wie geht es nach der Ausbildung weiter?
- Übernahme: Wie realistisch ist eine Festanstellung danach?
- Aufstieg: Welche Weiterbildungs- und Karrierewege gibt es im Betrieb oder in der Branche?
Wer diese vier Fragen klar und ehrlich beantworten kann, überzeugt Eltern oft schneller als mit jedem Hochglanzprospekt.
Konkrete Formate, um Eltern zu erreichen
Eltern erreicht man nicht über dieselben Kanäle wie Jugendliche. Bewährt haben sich:
- Ein Elternabend oder Infoabend, bei dem der Betrieb sich direkt vorstellt und Fragen beantwortet.
- Eine Einladung zum Praxistag, bei der Eltern den Arbeitsalltag miterleben, den sonst nur der Jugendliche sieht. Details dazu finden sich im Beitrag zum Praxistag im Betrieb.
- Verständliches Infomaterial, das Vergütung, Ablauf und Ansprechpartner ohne Fachjargon zusammenfasst.
Häufige Fehler bei der Elternansprache
Viele Betriebe, die Eltern grundsätzlich ernst nehmen, verschenken die Wirkung durch vermeidbare Fehler in der Umsetzung:
- Eltern nur als Anhängsel behandeln: Wer Eltern beim Vorstellungsgespräch im Flur warten lässt, signalisiert, dass ihre Fragen nicht erwünscht sind.
- Fachjargon statt Klartext: Begriffe wie „Rahmenlehrplan“ oder „überbetriebliche Lehrunterweisung“ sagen Eltern ohne Branchenbezug nichts. Verständliche Sprache wirkt kompetenter, nicht weniger.
- Nur auf den Jugendlichen zielen: Eine Ausbildungsbroschüre, die ausschließlich jugendlich gestaltet ist, beantwortet keine einzige Elternfrage zu Sicherheit und Perspektive.
- Zu spät ansetzen: Wenn Eltern erst beim Vertragstermin zum ersten Mal vom Betrieb hören, ist die Meinungsbildung längst gelaufen.
So bereiten Sie einen Elternabend konkret vor
Ein wirksamer Elternabend braucht keine aufwendige Inszenierung, sondern drei Bausteine: Erstens eine kurze, ehrliche Vorstellung des Betriebs durch eine Person, die selbst ausbildet, nicht durch eine Marketingpräsentation. Zweitens ein aktueller Auszubildender, der aus erster Hand berichtet, wie Alltag, Berufsschule und Betriebsklima wirklich sind, denn diese Stimme glauben Eltern am ehesten. Drittens ausreichend Raum für Fragen, auch für kritische, etwa zu Arbeitszeiten oder Verdienst. Wer hier souverän und ehrlich antwortet, gewinnt mehr Vertrauen als mit jeder Hochglanzfolie. Planen Sie eine Stunde ein und laden Sie bewusst gemeinsam mit der Schule ein, das erhöht die Teilnahme deutlich.
Ganzjährig sichtbar statt nur zur Bewerbungssaison
Eltern und Jugendliche orientieren sich nicht nur in den Wochen vor dem Ausbildungsstart, sondern über Monate hinweg. Wer als Betrieb nur kurz vor der Bewerbungsfrist sichtbar wird, kommt zu spät ins Bewusstsein. Eine ganzjährige Präsenz, wie sie die Nachwuchskampagne von BOeasy ermöglicht, sorgt dafür, dass ein Betrieb Eltern und Jugendlichen über das ganze Jahr begegnet, nicht nur im Herbst auf der Ausbildungsmesse.
Nicht aus Lübeck? BOeasy ist in Lübeck gestartet — das Modell funktioniert überall, wo Betriebe Nachwuchs suchen. Ob als Betrieb oder als Partner, der das Konzept in seine Region holen will: Hinterlassen Sie hier Ihr Interesse für Ihre Stadt.




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