Broschüren und Vorträge erreichen Jugendliche bei der Berufswahl nur bedingt, weil Berufe abstrakt bleiben, wenn man sie nicht selbst ausprobiert. Berufsorientierung praktisch zu gestalten, also mit echten Aufgaben, Werkzeugen und Materialien, verändert, wie Jugendliche einen Beruf wahrnehmen, und genau darauf setzt das Format des Berufeparcours. Für teilnehmende Betriebe lohnt sich der Blick auf das Konzept dahinter, denn wer versteht, warum die einzelnen Elemente einer Station wirken, kann sie beim nächsten Mal noch gezielter einsetzen.
Berufsorientierung praktisch: Die fünf Elemente einer guten Parcours-Station
Eine Station im Berufeparcours ist mehr als ein Infostand. Sie besteht aus fünf Elementen, die zusammen ein rundes Bild eines Berufs vermitteln. Ein kleines Experiment oder eine praktische Aufgabe zeigt, was im Beruf tatsächlich passiert. Eine MINT-Aufgabe verknüpft den Beruf mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik und macht Schulwissen greifbar. Berufewissen liefert die Fakten zu Ausbildungsdauer, Voraussetzungen und Perspektiven, kompakt und ohne Werbesprache. Die Einbindung mehrerer Sinne, also Anfassen, Riechen, Hören oder Ausprobieren statt nur Zusehen, sorgt dafür, dass die Station im Gedächtnis bleibt. Und drei Schwierigkeitsgrade stellen sicher, dass sowohl unsichere als auch selbstbewusste Jugendliche eine passende Herausforderung finden, ohne über- oder unterfordert zu werden. Fehlt eines dieser fünf Elemente, bleibt die Station meist entweder zu theoretisch, um zu überzeugen, oder zu unterhaltsam, um wirklich etwas über den Beruf zu vermitteln. Erst im Zusammenspiel entsteht das, was Jugendliche wirklich mitnehmen.
Warum eigenes Erleben die Berufswahl prägt
Jugendliche entscheiden sich selten für einen Beruf, weil sie eine Beschreibung gelesen haben. Sie entscheiden sich, weil sie ein Gefühl dafür bekommen haben, wie sich die Arbeit anfühlt, welches Tempo sie hat und ob sie zu ihnen passt. Wer einmal selbst ein Werkstück gefertigt, ein Material geprüft oder ein kleines technisches Problem gelöst hat, erinnert sich später an dieses Erlebnis, weit über den Tag des Parcours hinaus. Für Betriebe liegt genau darin die eigentliche Chance: Nicht der perfekte Werbetext entscheidet, sondern der Moment, in dem ein Jugendlicher merkt, dass ihm eine Tätigkeit liegt oder eben nicht. Auch eine Station, die am Ende zu der Erkenntnis führt, dass ein Beruf nicht passt, hat ihren Zweck erfüllt, denn sie erspart allen Beteiligten eine spätere Enttäuschung im Praktikum oder in der Ausbildung selbst.
Wie Sie als Betrieb eine gute Station gestalten
Eine gelungene Station braucht keine aufwendige Technik, aber eine klare Idee davon, was typisch für den Beruf ist. Wählen Sie eine Aufgabe, die in fünf bis zehn Minuten zu einem sichtbaren Ergebnis führt, damit auch zurückhaltende Jugendliche ein Erfolgserlebnis haben. Lassen Sie echte Auszubildende oder Fachkräfte die Station betreuen statt ausschließlich die Personalabteilung, denn Jugendliche fragen anders, wenn jemand in ihrem Alter oder mit direktem Praxisbezug antwortet. Und planen Sie bewusst unterschiedliche Schwierigkeitsstufen ein, etwa eine einfache Variante für den ersten Kontakt und eine anspruchsvollere für Jugendliche, die schon mehr wissen wollen. Kleine Details wie Namensschilder für die Auszubildenden, die die Station betreuen, oder ein kleines Give-away mit Bezug zum Beruf helfen zusätzlich, damit Jugendliche sich später an den Betrieb erinnern, wenn eine Ausbildungsentscheidung ansteht.
Vom Parcours zum nächsten Schritt
Der Berufeparcours ist der erste Kontaktpunkt, nicht der letzte. Jugendliche, die an Ihrer Station ein gutes Erlebnis hatten, sind naheliegende Kandidaten für einen anschließenden Praxistag im Betrieb, bei dem sie tiefer in den Arbeitsalltag eintauchen. Details zum Format und wie Sie als Betrieb teilnehmen können, finden Sie unter boeasy.de/berufeparcours. Erfahrungen anderer Betriebe, die bereits eine Station gestaltet haben, lesen Sie in den Erfahrungsberichten.
Nicht aus Lübeck? BOeasy ist in Lübeck gestartet — das Modell funktioniert überall, wo Betriebe Nachwuchs suchen. Ob als Betrieb oder als Partner, der das Konzept in seine Region holen will: Hinterlassen Sie hier Ihr Interesse für Ihre Stadt.



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